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Das Diskursprogramm am Elevate Festival steuert dem Finale zu: Heute Abend werden in einer Podiumsdiskussion im Dom im Berg die globalen Krisen in Kontext zueinander gestellt: Es geht darum, die fundamentalen Zusammenhänge zwischen der Klima-, Wirtschafts-, und Medienkrise zu verstehen. Dazu nehmen am Podium ExpertInnen Platz, die auch bereits in den vergangenen Tagen mit ihren Analysen und Diskussionsbeiträgen ein großes Publikum angezogen und begeistert haben. Es diskutieren unter der Leitung von Christian Felber David Barstow von der NY Times, die Ökonomin und Politologin Gabriele Michalitsch, der unabhängige Berater von Regierungen und NGOs Geoff Tansey, einer der weltweit führenden Experten zur Ernährungskrise Pat Mooney, die Klimaaktivisten Mona Bricke und der Politologe Joachim Hirsch.
Beginn ist um 17:00. auch LIVE auf www.okto.tv und im Elevate Livestream
Mehrere hundert BesucherInnen waren gestern Abend mit dabei, als im Dom im Berg die "Krise der Medien" diskutiert wurde. Der Communitysender Okto.tv hat die Diskussion live übertragen. Am Podium saßen mit Moderator Daniel Erlacher die österreichische Journalistin Anneliese Rohrer, Alexandra Bader von ceiberweiber.at, Barbara Eppensteiner von Okto.tv, NY Times Investigativjournalist und Pulitzer Preisträger David Barstow, ORF-Außenkorrespondent Raimund Löw und der österreichische Journalist und Autor Harald Fidler.
Podiumsdiskussion: die Krise der Medien
„Guter Journalismus findet in Österreich derzeit kaum statt.“ So die Bestandsaufnahme von Anneliese Rohrer zu Beginn der Podiumsdiskussion gestern Abend im Dom im Berg. Im Verlauf der Diskussion stellte sich Rohrer dennoch als Optimistin heraus: Der Journalismus wird in den nächsten Jahren aus der Krise wieder herausfinden, so ihre Überzeugung.
Die Krise als Wende?
Einen Paradigmenwechsel glaubt Alexandra Bader von ceiberweiber.at zu beobachten: Die Menschen würden immer mündiger werden, sich selbst über neue Medien artikulieren, nicht mehr alles glauben, was ihnen ins Wohnzimmer geliefert wird. Aufkommender Graswurzeljournalismus verändere die traditionellen Medien, so Bader. Hauptaufgabe von freien Medien sei es, gesellschaftliche Diversität abzubilden, betonte Barbara Eppensteiner vom Wiener Communitysender Okto.tv. "Ich wünsche mir die Krise, wenn die Krise als Wendepunkt verstanden wird," so Eppensteiner.
Ruf nach einem neuen Geschäftsmodell
Eine zentrale Frage des Abends war die der Finanzierung. Wie bedeutsam es ist, dass in gute Recherchen Geld hineingesteckt wird, strich u.a. NY Times Investigativjournalist David Barstow heraus, der heuer für eine seiner Storys mit dem Pulitzer Preis ausgezeichnet wurde: Bis zu eine halbe Million Dollar fließe bei der NY Times in eine Story, recherchiert werde teilweise zwei Jahre lang. Die NY Times stehe damit für eine Form von Investigativjouranlismus, die es in Europa nicht gebe, betonte ORF-Außenkorrespondent Raimund Löw. Der Ruf nach einem neuen Geschäftsmodell für die Finanzierung von qualitativ hochwertigem Jouranlismus war dann auch ein ganz zentraler des Abends. Irgend ein junger Mensch werde wohl die zündende Idee haben, sagte Rohrer, und schien das auch ernst zu meinen. Zustimmung erhielt sie von Barstow. Den Grund, warum es Qualitätsjournalismus weiter braucht, lieferte dann Löw gegen Ende der Diskussion: Qualitätsjournalismus müsse auch unangenehme Tatsachen aussprechen, es gehe darum, Zusammenhänge zu erklären, auch wenn die Leute diese nicht hören wollen.

- Geoff Tansey
Die Weltwirtschaftskrise hat enorme Auswirkungen auf den Welthunger. Das geht aus dem aktuellen UN-Welthungerbericht hervor. Mehr als eine Milliarde Menschen leidet an Unterernährung, das ist der höchste Wert seit 1970. Laut der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) stieg heuer die Zahl der Hungerleidenden auf 1,02 Milliarden an – als Folge der Krise.
Tansey im Interview: Verteilung von Lebensmitteln ist unfair
Den Zusammenhang zwischen der Wirtschaftskrise und der prekären Ernährungssituation streicht auch der britische Autor und unabhängige Berater von Regierungen und NGOs Geoff Tansey hervor. Tansey ist heuer Gast des Elevate Festivals. Dem steirischen Magazin Korso gab er für die Oktober-Ausgabe ein Interview. Durch die Wirtschaftskrise seien die Lebensmittelpreise vor allen in den armen Ländern angestiegen, so Tansey:
„Als Folge daraus steigt die Zahl jener, die täglich hungern. Die Wirtschaftskrise wird auch längerfristige Auswirkungen haben, denn die reicheren Staaten können ihre Vermögenswerte in Kisenzeiten bekanntlich eher steigern, als dies ärmere Staaten können.“
Tansey kritisiert das globale Ernährungswesen: Die Verteilung von Lebensmitteln sei unfair, die Zahl der einflussreichen Player im System werde immer kleiner, die Macht der Wirtschaft gleichzeitig größer. Daneben stelle auch der Klimawandel eine große Bedrohung für das globale Ernährungssystem dar:
„Diese Veränderung des Klimas könnte auch Unruhen hervorrufen, könnte Migration in noch höherem Ausmaß zur Folge haben und zwischenstaatliche Konflikte um Nahrung auslösen. Die globale Ernährungssituation könnte noch viel prekärer werden.“
Man müsse sich in Richtung eines agrar-ökologischen Landwirtschaftsmodells entwickeln, sagt Tansey. Soziale Probleme wie Mangelernährung könne man nicht lösen, indem man neue Technologien auf den Markt bringt:
„Wir müssen den Fortschritt daran messen, inwieweit er dazu in der Lage ist, eine nachhaltige, verlässliche, sichere, ausreichende Ernährungsweise für alle zu produzieren. Das erfordert eine gewisse Vielfältigkeit – nicht nur im Bereich der Landwirtschaft und der Artenvielfalt, sondern auch in sozialer, kultureller Hinsicht und in den Küchen selbst.“
Tansey zu Gast beim Elevate Festival
Tansey wird als Elevate-Gast an zwei Podiumsdiskusisonen teilnehmen. Gemeinsam mit u.a. Pat Mooney, Christa Wichterich und Irmi Salzer wird er am Freitag, 23. Oktober, die Zusammenhänge zwischen der Klima-,Ressourcen- und Ernährungskrise diskutieren.
Und auch bei der finalen Diskussion am Samstag den 24. Oktober, bei der die globalen Krisen in Kontext zueinander gestellt werden, sitzt Tansey mit am Podium.
"Unsere ganze Lebensführung ist den Maßstäben der Marktökonomie unterworfen"
In der aktuellen Ausgabe des Falters ist ein ausführliches Interview mit der Ökonomin und Politologin Gabriele Michalitsch abgedruckt. Michalitsch ist kommende Woche Gast des Elevate Festivals (21.-26.Okt.), und wird u.a. am Eröffnungsabend an der monochrom Gala teilnehmen. Im Falter-Interview spricht Michalitsch über Frauenquoten in der Politik, die Krise der Sozialdemokratie und die österreichischen Konjunkturpakete, die „ziemlich traditionell“ seien und wenig Arbeitsplätze sichern würden. Aus dem Falter-Interview:
„Unsere ganze Lebensführung ist den Maßstäben der Marktökonomie unterworfen, die von Interessen der Unternehmen beherrscht wird. Das Wesentliche ist, zu sehen, dass das nicht so sein müsste, dass wir auch anders leben könnten, dass gesellschaftliche Rahmenbedingungen anders gestaltet werden können, dass wir sie schrittweise verändern können.“
Michalitsch zu Gast beim Elevate Festival
In welche Richtung sich die angesprochenen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen entwickeln müssen, um einen wirtschaftspolitischen Paradigmenwechsel herbeizuführen, wird Michaltisch beim Elevate Festival analysieren. Sie wird nicht nur an monochrom's Eröffnungsgala teilnehmen, sondern auch an zwei Podiumsdiskussionen am Samstag den 24. Oktober teilnehmen. Titel der ersten Veranstaltung: „Weltwirtschaftskrise, Krise der Demokratie, Krise des Sozialen: Business as usual, neue Regulationsformen oder Systemwechsel?“
Noch am selben Tag treffen dann u.a. David Barstow, Pat Mooney, Geoff Tansey und Gabriele Michalitsch in der finalen Podiumsdiskussion aufeinander und werden helfen, die wesentlichen Zusammenhänge der globalen Krisen deutlich zu machen.
Pat Mooney: führender Experte zur Ernährungskrise
Für das Elevate Festival vom 21. bis zum 26. Oktober kommen international bekannte und angesehene WissenschafterInnen und DenkerInnen nach Graz. Pat Mooney zum Beispiel aus Kanada gilt weltweit als einer der führenden Experten zur Ernährungskrise, dem Schwund genetischer Ressourcen und den Gefahren durch neue Techniken (Gentechnik, Nanotechnologie, synthetische Biologie etc.). Mooney ist zudem Träger des Alternativen Nobelpreises. Bereits am Eröffnungsabend am Mi dem 21. wird Mooney mit dabei sein und über die Bedrohung unserer Lebensgrundlagen referieren.
Und am Fr, 23. Oktober, wird er als Teilnehmer einer Podiumsdiskussion dabei helfen, die Zusammenhänge zwischen der Klima- und Energiekrise und der Ressourcen- und Ernährungskrise herzustellen und klar zu machen.
Um die Zusammenhänge der großen globalen Krisen geht es auch in der abschließenden Podiumsdiskussion am Sa, 24. Oktober. Dabei wird Mooney u.a. mit Geoff Tansey, David Barstow und Gabriele Michalitsch das Podium teilen und mitdiskutieren.
David Barstow: Pulitzer-Preis für Aufdeckerstory
Ein weiterer Stargast am diesjährigen Elevate ist der New York Times-Investigativjournalist David Barstow. Er erhielt heuer den Pulitzer-Preis für eine aufsehenerregende Aufdeckerstory: Für seinen Bericht "Message Machine: Behind TV Analysts, Pentagon`s Hidden Hand" deckte Barstow auf, dass einige pensionierte Generäle als Analysten in Fernsehen und Radio auftraten. Die „Experten“ wurden vom Pentagon ausgewählt, um Propaganda für den Irak-Krieg zu machen. Politische Einflussnahme, Propaganda im öffentlichen Fernsehen, einbrechende Werbeeinnahmen, die bereits zu großen Qualitätsverlusten geführt haben – welche Zukunft hat da der (Qualitäts-)Journalismus? Im Rahmen einer Podiumsdiskussion, an der auch Barstow teilnimmt, wird nicht nur Bestandsaufnahme gemacht, sondern werden auch Zukunftsszenarien diskutiert.
Und auch bei der abschließenden Podiumsdiskussion, bei der die globalen Krisen in Kontext zueinander gestellt werden, wird Barstow neben Mooney und anderen mitanalysieren.
Neu: Textsammlung + Lesetipps
Wer sich zu den Elevate-Gästen Infos holen und sich vorab ein Bild machen möchte, findet auf der Elevate Homepage eine Sammlung von weiterführenden Links. So kommt ihr ganz einfach zu einer Vielzahl an Texten und Artikeln, von und über die Gäste des Elevate Festivals.






